direkt zum Inhaltsbereich

Studieren trotz psychischer Beeinträchtigung

Auf den ersten Blick sind psychische Beeinträchtigungen nicht sichtbar. Für Betroffene können sie jedoch den Studien-Alltag massiv beeinträchtigen. In akuten Phasen sind psychisch behinderte Menschen sehr verletzlich: Entscheide zu fällen, Prioritäten zu setzen oder die Motivation zu behalten fällt ihnen je nachdem schwer; eventuell verhalten sie sich für andere teilweise unverständlich oder nicht nachvollziehbar. Viele der eingesetzten Medikamente (Psychopharmaka) haben Nebenwirkungen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und andere Leistungsbeeinträchtigungen.

Studierenden mit psychischer Beeinträchtigung gilt daher besonderes Augenmerk und Verständnis:

  • Seien Sie flexibel – z.B. bei Abgabeterminen oder Anwesenheitspflichten.
  • Ermöglichen Sie Betroffenen professionelle Hilfe und Beratung – ermuntern Sie sie bei Bedarf dazu.
  • Passen Sie die Prüfungsbedingungen an (Zeitbudget, separate Räumlichkeiten, Begleitung).
  • Suchen Sie den Dialog mit Betroffenen: Wo braucht es Unterstützung?
  • Reden Sie mit Menschen, die trotz psychischer Behinderung ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben – welche Unterstützung war hilfreich? (z.B. das Peer-to-Peer Projekt von Pro Mente Sana)
  • Fördern Sie das Selbstvertrauen.
  • Unterstützen Sie Betroffene, gesund zu werden.
  • Ermöglichen Sie einen Assistenzdienst oder eine persönliche Begleitung.
  • Helfen Sie beim Strukturieren der Zeit.
  • Ermutigen Sie die Studierenden, ihre Situation zu schildern – das Verständnis wächst.
  • Unterstützen Sie den Einsatz technischer Hilfsmittel und persönlicher Hilfe (Notiznahme, Literaturrecherche etc.).
  • Erlauben Sie eine Aufzeichnung der Veranstaltung.
  • Seien Sie offen gegenüber Selbststudium bei längerem krankheitsbedingtem Unterbruch des Studiums, und stellen Sie das nötige Studiumsmaterial zu Verfügung.
  • Machen Sie mehrere Pausen – verkürzen Sie die Präsenzzeiten.
  • Geben Sie schriftliche Unterlagen im Voraus ab.
  • Seien Sie offen für Sonderregelungen und alternative Leistungsnachweise, wenn dies aufgrund der Krankheit notwendig ist.

Weiterführende Informationen

Selbsthilfe- und Fachorganisationen

  • Die Stiftung Pro Mente Sana bietet Beratung, Informationen und Diskurs zwischen Menschen mit psychischer Krankheit, Angehörigen und Fachleuten.
  • Angst- und Panikhilfe Schweiz (APhS) informiert und gibt Tipps zu Angststörungen.
  • Der Dachverband der Vereinigungen der Angehörigen von Schizophrenie-/Psychisch-Kranken VASK Schweiz ist Ansprechpartner für Angehörige von Betroffenen.
  • Equilibrium – Verein zur Bewältigung von Depressionen gründet, begleitet und baut Selbsthilfegruppen auf, vermittelt Informationen über Entstehung, Verlauf und Therapiemöglichkeiten.
  • Das asperger-forum ermöglicht den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen – auch zum Thema Studium.
  • Selbsthilfe Schweiz bietet einen Überblick über die Selbsthilfegruppen zu verschiedenen Themen.
  • Der Verein Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie Schweiz (NAP) informiert über aktuelle Angebote für Angehörige.